Wissenschaft: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge (Bill Bryson)

In seinem neuen Buch Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge nimmt uns der Bestsellerautor Bill Bryson mit auf eine Erkundungstour durch das alte britische Pfarrhaus in dem er wohnt. Mit einem unschlagbaren Gespür für spannende Anekdoten macht Bryson dabei die Entstehungsgeschichten der banalsten Dinge zu Abenteuern und zeigt, dass sich hinter den alltäglichsten Dingen manchmal die spannendsten Hintergründe verbergen.

Buch-Cover: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge (Bill Bryson), GoldmannSo ist es beispielsweise wohl kaum jemandem bewusst, welche unfassenden Lebensveränderungen eine scheinbare Kleinigkeit wie das Aufkommen von Beleuchtung mit sich brachte. Und welch große technische Schwierigkeiten viele helle Köpfe erst einmal meistern mussten, bis wir heute ganz selbstverständlich auf den Lichtschalter drücken und dadurch strahlend helle Räume in dunkelster Nacht haben.

Das größte Talent von Bill Bryson besteht darin, dass es ihm gelingt seine Neugierde auf andere Menschen zu übertragen. Als Leser spürt man, wie viel Spaß der Autor auf seinen Entdeckungsreisen in die Vergangenheit hat und lässt sich nur allzu gerne davon anstecken. Architektur war beispielsweise etwas, das mich nie auch nur im geringsten interessiert hat. Trotzdem habe ich mit Begeisterung ganze Kapitel dazu verschlungen und fand es plötzlich total spannend, wie der Eiffelturm entstanden ist oder welch pompöse Bauten sich manch wohlhabende englische Gentlemen errichten ließen und was das kostete.

Meine Lieblingsanekdote aus Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge betrifft aber die Erforschung der Seefahrerkrankheit Skorbut, die auf massivem Vitaminmangel beruht. Als die Menschen noch keinerlei Ahnung von Inhaltsstoffen unserer Nahrung hatten, lag eine derartige Diagnose natürlich fern und dementsprechend skurrile Vermutungen wurden geäußert. Als dann in den 1760er Jahren der schottische Arzt William Stark es genau wissen wollte und sich zu diesem Zweck wochenlang fast nur von Wasser und Brot ernährte, starb er nach sechs Monaten an Skorbut ohne jegliche Schlussfolgerungen gezogen zu haben. Das nenne ich mal einen (sinnlosen) Selbstversuch!

Fazit:

Wie schon in Eine kurze Geschichte von fast allem gelingt es Bill Bryson auch in seinem aktuellen Buch Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge Begeisterung für wissenschaftliche Fakten und geschichtliche Begebenheiten zu wecken. Als Leser ertappt man sich dabei Dinge plötzlich irrsinnig interessant zu finden, die einem sonst wohl nur ein müdes Gähnen abverlangt hätten. Das Buch ist zwar etwas weniger spannend als Eine kurze Geschichte von fast allem, aber auch weniger komplex und dadurch einfacher zu lesen.

Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge von Bill Bryson hat 640 Seiten, ist bei Goldmann erschienen und kostet in der gebundenen Ausgabe € 24,99. Zum selben Preis ist auch ein von Rufus Beck gesprochenes Hörbuch erhältlich.


Autor: Matthias Schaffer

Matthias Schaffer

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